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Kapelle in Schatzehof

Die Kapelle steht am Rande der Ortschaft an der Hauptstraße und ist ein klassizistischer Bau, der durch Eckpilaster gegliedert ist. Über dem Türsturz an der Fassade steht die Jahreszahl der Erbauung der jetzigen Kapelle durch die Bauernfamilie Adam Baier (später Bayer), nämlich 1813.

Die jetzige Kapelle ist an Stelle einer alten Kapelle auf dem Grund des Hofbesitzers Baier (später Bayer) erbaut worden. Über die Erbauung der Kapelle gibt es eine Erzählung: Im Russlandfeldzug 1812 waren beim Durchzug nach Russland in Schatzenhof auch französische Soldaten einquartiert. Einer davon soll eine ansehnliche Menge Goldstücke bei sich gehabt haben, die er der Bauernfamilie des Adam Baier (später Bayer) zur Aufbewahrung übergeben haben soll, bis er sie auf dem Rückweg wieder abholen wollte. Sollte er nicht mehr aus Russland zurück kommen, so soll das Geld für einen wohltätigen Zweck verwendet werden. Der Soldat soll nicht mehr vom Russlandfeldzug zurückgekehrt sein, und von dem Gelde soll die Familie Baier (später Bayer) die Kapelle in Schatzenhof erbaut haben. Bei der Geschichte dürfte es sich jedoch um eine Erfindung und Ausrede handeln, um den Bau der Kapelle aus eigenen Mitteln der Familie Bayer zu verdecken. Denn es ist nicht denkbar, dass ein Soldat, der in ein fremdes Land in den Krieg zieht, unterwegs in einem fremden und feindlichen Land einem Bauern sein Geld anvertraut, in der Hoffnung, es bei seiner ungewissen Rückkehr wieder zu erhalten. Nachzuweisen ist die Geschichte nicht, deshalb blüht sie immer wieder auf.

Die Kapelle ist ein schlichter spätklassizistischer Bau, durch Eckpilaster gegliedert, mit den Maßen 4 m x 2 m. In der Altarnische steht ein klassizistischer Altar mit einer Figurengruppe der Krönung Mariens durch die Heiligste Dreifaltigkeit. An den Seiten stehen eine barocke Madonnenfigur und eine Statue des hl. Johannes. Die Fassade über dem Türsturz trägt die Jahreszahl „1813“ und den Buchstaben „AB“. Über dem Türsturz steht heute eine neuzeitliche Figur des hl. Georg.

In einem Schenkungsvertrag hat die Witwe Margaretha Bayer am 22. Mai 1852 die Kapelle in Schatzenhof zusammen mit einer Wiese in Burgebrach und 100 fl. der Pfarrkirchenstiftung Burgebrach unter folgenden Bedingungen geschenkt: Die Kapelle ist innen und außen in einem solchen baulichen Zustand zu halten, dass sie zur Abhaltung eines Gottesdienstes würdig ist; alljährlich muss am Dreifaltigkeitsfest ein Frühamt gehalten werden; die Predigt kann in der Pfarrkirche gehalten werden; für Adam Bayer und dessen Familie sind 4 Quatembermessen zu halten.

Im Jahre 1869 wurden die Kapelle und die Figuren restauriert. Aus einer „Kostenrechnung“ des Schreinermeisters Johann Neser geht hervor, dass im Kapelleninneren die Figuren des hl. Heinrich und der hl. Kunigunde und auf dem Türsturz an der Außenseite eine Muttergottesstatue mit Strahlenkranz und eine Figur des hl. Georg standen. Die Figuren des hl. Heinrich, der hl. Kunigunda und des hl. Georg sind spätgotische Arbeiten und stammen aus dem Kloster Ebrach. Sie sind nach der Säkularisation durch die Schatzenhöfer Bauernfamilie Adam Baier aus dem veräußerten Klosterbesitz erworben worden. Da die Figuren einen bedeutenden Kunst- und Altertumswert besitzen, ließ Pfarrer Schütz sie 1949 aus Sicherheitsgründen in die Pfarrkirche nach Burgebrach bringen. Um 1960 stand noch die Figur der barocken Madonna über dem Türsturz. Sie wurde kurz darauf in das Kapelleninnere transferiert und an ihrer Stelle die neuzeitliche Figur des hl. Georg dort aufgestellt. Woher der Altar stammt, konnte nicht ermittelt werden.

Bereits bei der Erbauung 1813/1814 war auf die Bitte des Erbauers vom Generalvikariat Bamberg genehmigt worden, am Dreifaltigkeitsfest 1814 ein Hochamt zu halten. In den folgenden Jahren wurde diese Praxis weiter beibehalten. Auch heute noch ist am Dreifaltigkeitssonntag an der Kapelle ein feierlicher Gottesdienst. Anschließend sind die Besucher zum geselligen Verweilen in dem Weiler eingeladen.